Kurz beantwortet
Parodontitis ist eine durch Bakterien ausgelöste Entzündung des Zahnhalteapparats, bei der Bindegewebe und Kieferknochen abgebaut werden. Anders als die Zahnfleischentzündung (Gingivitis) heilt sie nicht von selbst aus. Unbehandelt können Zähne locker werden und verloren gehen. Die Behandlung erfolgt in Stufen: Mundhygiene und Risikofaktoren, Reinigung der Zahnfleischtaschen, gegebenenfalls Chirurgie, danach lebenslange Nachsorge.
Auf einen Blick
- Ursache
- bakterielle Beläge plus Risikofaktoren
- Wichtige Risikofaktoren
- Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes, Veranlagung
- Frühe Anzeichen
- Zahnfleischbluten, Rötung, Schwellung
- Behandlung
- 4 Stufen nach EFP-S3-Leitlinie
- Kontrolle des Erfolgs
- nach etwa 6–12 Wochen
- Früherkennung
- parodontale Grunduntersuchung einmal jährlich
Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis?
Bei einer Gingivitis ist nur das Zahnfleisch entzündet. Ursache sind fast immer bakterielle Beläge (Plaque). Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet leicht. In einem frühen Stadium kann die Entzündung mit richtiger Zahnpflege wieder vollständig verschwinden, meist bessern sich die Beschwerden dann rasch.
Schreitet die Entzündung fort, kann eine Parodontitis entstehen. Dabei ist der gesamte Zahnhalteapparat betroffen: Zwischen Zahn und Zahnfleisch bilden sich Taschen, die Abwehrreaktion des Körpers baut Haltefasern und Kieferknochen ab. Umgangssprachlich wird Parodontitis oft „Parodontose“ genannt. Verlorener Knochen wächst von selbst nicht nach. Eine Behandlung kann die Erkrankung aber zum Stillstand bringen.
Parodontitis ist weit verbreitet: Die schwere Form betrifft weltweit etwa 11 % der Menschen und zählt damit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Bei der Diagnose werden heute das Stadium (I bis IV) und der Grad (A bis C) bestimmt. Sie beschreiben Schwere und Ausdehnung der Erkrankung sowie das persönliche Risiko, dass sie weiter fortschreitet.
Woran erkennt man eine Parodontitis?
Parodontitis verursacht meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Mögliche Anzeichen sind:
- gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, beim Essen oder nachts
- Zahnfleischrückgang mit freiliegenden Zahnhälsen
- empfindliche Zahnhälse
- Eiter, wenn man auf das Zahnfleisch drückt
- Zähne, die sich lockern oder ihre Stellung verändern
- anhaltender Mundgeruch
Wie wird Parodontitis festgestellt?
Weil die Anzeichen oft unauffällig beginnen, ist die Untersuchung in der Ordination entscheidend. Bei der parodontalen Grunduntersuchung prüft die Zahnärztin oder der Zahnarzt mit einer feinen Sonde rasch, ob Hinweise auf eine Erkrankung des Zahnhalteapparats bestehen. Besteht ein Verdacht, folgt ein ausführlicher Befund: Dabei wird an mehreren Stellen jedes betroffenen Zahnes gemessen, wie tief die Sonde in die Zahnfleischtasche eindringt. Zugleich werden Blutung, Eiteraustritt und Zahnfleischrückgang festgehalten. Röntgenbilder zeigen, wie viel Knochen bereits abgebaut ist. Aus diesen Befunden ergeben sich Stadium und Grad der Erkrankung und damit der Behandlungsplan.
Ursachen und Risikofaktoren
Parodontitis wird durch Bakterien in den Belägen ausgelöst. Ob und wie stark sie sich entwickelt, hängt aber zusätzlich von ererbten und erworbenen Risikofaktoren ab:
- Rauchen: einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren. Ein Rauchstopp ist deshalb Teil der Behandlung.
- Diabetes: Vor allem ein schlecht eingestellter Diabetes erhöht das Risiko. Umgekehrt erschwert eine Parodontitis die Blutzuckereinstellung.
- Veranlagung: Auch ererbte Faktoren beeinflussen, wie der Körper auf die Bakterien reagiert. Deshalb erkranken manche Menschen trotz ähnlicher Mundhygiene früher oder schwerer als andere.
- Unzureichende Mundhygiene: Beläge, besonders in den Zahnzwischenräumen, sind der Ausgangspunkt der Entzündung.
Welche Folgen hat Parodontitis für Knochen, Zähne und Implantate?
Mit dem Abbau von Haltefasern und Knochen verlieren die Zähne zunehmend an Halt. Sie können locker werden, wandern und früher oder später verloren gehen. Der Knochenabbau hat auch Folgen für einen späteren Zahnersatz: Fehlt zu viel Knochen, ist vor einem Implantat oft ein Knochenaufbau nötig.
Auch für Zahnimplantate spielt Parodontitis eine Rolle. Rund um Implantate kann eine ähnliche Entzündung entstehen, die Periimplantitis. Laut Fachliteratur ist das Risiko dafür deutlich erhöht, wenn jemand bereits eine Parodontitis hatte, die Beläge nicht gut entfernt und nach der Implantation keine regelmäßige Nachsorge wahrnimmt. Vor einer Implantation sollte eine Parodontitis deshalb behandelt und stabil sein. Mehr dazu im Ratgeber Wie lange hält ein Zahnimplantat?
Hängt Parodontitis mit der Allgemeingesundheit zusammen?
Diabetes: Hier ist der Zusammenhang am deutlichsten belegt, und er wirkt in beide Richtungen. Menschen mit Diabetes und Parodontitis haben im Durchschnitt höhere Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c). Eine Parodontitisbehandlung ist bei Diabetes sicher und senkte den HbA1c-Wert in Studien nach drei Monaten um etwa 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte. Ob dieser Effekt langfristig anhält, ist noch nicht ausreichend untersucht. Haben Sie Diabetes, informieren Sie deshalb Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt darüber. Umgekehrt ist es sinnvoll, eine bekannte Parodontitis auch bei der Hausärztin oder dem Hausarzt zu erwähnen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Studien zeigen, dass schwere Parodontitis mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist, auch wenn man andere Risikofaktoren berücksichtigt. Eine Behandlung senkt Entzündungswerte im Blut. Ob sie Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, ist bisher nicht durch kontrollierte Studien belegt. Die Behandlung gilt aus Herz-Kreislauf-Sicht als sicher. Wer Blutverdünner nimmt, sollte das vorher in der Ordination sagen.
Wie wird Parodontitis behandelt?
Die europäische Fachgesellschaft EFP hat eine S3-Leitlinie für die Behandlung der Stadien I bis III veröffentlicht. Sie beschreibt ein Vorgehen in vier Stufen, das je nach Stadium aufeinander aufbaut:
- Grundlagen schaffen: Aufklärung, Anleitung zur Mundhygiene, professionelle Reinigung oberhalb des Zahnfleischs und Kontrolle der Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes.
- Reinigung der Zahnfleischtaschen: Beläge und Ablagerungen werden auch unterhalb des Zahnfleischs von den Wurzeloberflächen entfernt, bei tiefen Taschen unter örtlicher Betäubung und oft in mehreren Sitzungen. In bestimmten Fällen können ergänzende Mittel wie Antibiotika eingesetzt werden.
- Nachbehandlung verbleibender Taschen: Nach etwa sechs bis zwölf Wochen wird der Heilungserfolg überprüft. Sind noch tiefe Taschen vorhanden, werden diese erneut gereinigt oder chirurgisch behandelt.
- Unterstützende Nachsorge: Regelmäßige Kontrollen und Reinigungen in Abständen, die sich nach Ihrem persönlichen Risiko richten, lebenslang.
Das Ziel ist, dass keine entzündeten, tiefen Taschen mehr bestehen und die Erkrankung stabil bleibt.
Was können Sie selbst tun?
Die tägliche Mundhygiene zu Hause ist kein Zusatz, sondern die Grundlage jeder Parodontitisbehandlung. In der Leitlinie gehört sie bereits zur ersten Therapiestufe. Professionelle Reinigungen wirken nur dann dauerhaft, wenn sich zwischen den Terminen nicht wieder dichte Beläge bilden. Diese Punkte helfen, einer Parodontitis vorzubeugen und einen Behandlungserfolg zu sichern:
- Zähne zweimal täglich je zwei Minuten putzen
- Zahnzwischenräume täglich reinigen, zum Beispiel mit Interdentalbürsten oder Zahnseide
- mit dem Rauchen aufhören, wenn nötig mit ärztlicher Unterstützung
- bei Diabetes auf eine gute Blutzuckereinstellung achten
- einmal jährlich eine parodontale Grunduntersuchung durchführen lassen
- nach einer Behandlung die Nachsorgetermine konsequent wahrnehmen
Risiken und Grenzen der Behandlung
Eine Parodontitis lässt sich in vielen Fällen zum Stillstand bringen, heilt aber nicht im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung. Abgebauter Knochen bleibt in der Regel verloren. Wenn die Entzündung abklingt, kann sich das Zahnfleisch zurückziehen. Die Zähne wirken dann länger, Zahnhälse können empfindlich sein. Ohne gute Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge kann die Erkrankung wieder aufflammen. Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes verschlechtern die Aussichten. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung lassen sich nicht alle Zähne erhalten. Dann geht es um die Frage, wie fehlende Zähne ersetzt werden, siehe Implantat, Brücke oder Prothese?
Wann zum Zahnarzt? Lassen Sie Ihr Zahnfleisch untersuchen, wenn es wiederholt blutet und das trotz gründlicher Pflege nicht nachlässt, wenn es sich zurückzieht, wenn Sie Eiter, anhaltenden Mundgeruch, lockere oder wandernde Zähne bemerken, oder wenn Sie Diabetes haben oder rauchen und länger keine parodontale Untersuchung hatten. Tragen Sie Implantate, melden Sie sich auch bei Blutung, Schwellung oder Eiter am Implantat.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at): Parodontitis (2022)
- Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at): Zahnfleischentzündung (Gingivitis) (2022)
- European Federation of Periodontology (EFP): Sanz et al., Treatment of stage I–III periodontitis, S3-Leitlinie (2020)
- IDF und EFP: Sanz et al., Scientific evidence on the links between periodontal diseases and diabetes, Konsensusbericht (2018)
- EFP und World Heart Federation: Sanz et al., Periodontitis and cardiovascular diseases, Konsensusbericht (2020)
- Schwarz et al.: Peri-implantitis, World Workshop 2017 (2018)
Stand: Oktober 2026 · Dieser Ratgeber ersetzt keine persönliche Untersuchung.
Häufige Fragen
Eine Parodontitis lässt sich in vielen Fällen zum Stillstand bringen. Bereits abgebauter Knochen wächst aber in der Regel nicht von selbst nach. Damit sie nicht wieder aufflammt, sind gute Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge entscheidend.
Meist nicht, jedenfalls lange Zeit. Beschwerden treten oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Deshalb sind Zahnfleischbluten und regelmäßige Untersuchungen wichtige Hinweise, auch wenn nichts schmerzt.
Gemeint ist meist dasselbe. „Parodontose“ ist der umgangssprachliche Begriff, fachlich spricht man von Parodontitis, weil es sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparats handelt.
Grundsätzlich ja, aber die Parodontitis sollte vorher behandelt und stabil sein. Wer Parodontitis hatte, hat ein höheres Risiko für Entzündungen am Implantat und braucht daher besonders konsequente Pflege und Nachsorge.
Zur Früherkennung wird eine parodontale Grunduntersuchung einmal jährlich empfohlen. Nach einer Parodontitisbehandlung richten sich die Abstände der Nachsorge nach Ihrem persönlichen Risiko.


