Digitaler Scan eines Zahnbogens auf einem Bildschirm in der Zahnarztpraxis
Ratgeber · Zahnersatz & Implantate

Digitaler Abdruck und 3D-Röntgen: Nutzen und Grenzen

Digitale Verfahren verändern, wie Zahnersatz geplant und gefertigt wird. Hier erfahren Sie, wie ein digitaler Abdruck funktioniert, wann ein 3D-Röntgen (DVT) sinnvoll ist und wo die Grenzen beider Verfahren liegen.

Kurz beantwortet

Beim digitalen Abdruck erfasst ein kleiner Scanner Ihre Zähne optisch, ohne Abdruckmasse und ohne Röntgenstrahlung. Das empfinden die meisten Patientinnen und Patienten als angenehmer, und es geht oft schneller. Ein 3D-Röntgen (DVT) zeigt Knochen, Nerven und Kieferhöhle räumlich, ist aber mit einer höheren Strahlendosis verbunden und wird deshalb nur eingesetzt, wenn ein normales Röntgenbild nicht ausreicht.

Auf einen Blick

Digitaler Abdruck
optischer Scan, keine Abdruckmasse, keine Strahlung
DVT
3D-Röntgen von Kiefer, Zähnen, Nerven und Kieferhöhle
Dosis DVT
deutlich höher als beim 2D-Röntgen, stark abhängig von Gerät und Volumen
Einsatz DVT
wenn 2D-Röntgen und Untersuchung nicht ausreichen
CAD/CAM
Krone, Inlay oder Teilkrone oft in einer Sitzung

Was ist ein digitaler Abdruck?

Für Kronen, Brücken, Inlays oder Zahnspangen braucht das Labor ein genaues Modell Ihrer Zähne. Klassisch wird dazu ein Löffel mit Abformmasse in den Mund gesetzt, bis das Material ausgehärtet ist. Beim digitalen Abdruck führt die Zahnärztin oder der Zahnarzt stattdessen einen kleinen Scankopf, den Intraoralscanner, über die Zähne. Eine Kamera erfasst die Oberflächen und setzt daraus am Computer ein dreidimensionales Modell zusammen. Der Scanner arbeitet optisch, also ohne Röntgenstrahlung.

Digitaler oder klassischer Abdruck: Was ist der Unterschied?

Eine systematische Übersichtsarbeit mit 17 klinischen Studien kam zu dem Ergebnis, dass der Scan insgesamt schneller ging als der klassische Abdruck und dass Patientinnen und Patienten ihn überwiegend bevorzugten und als angenehmer empfanden. Die Ergebnisse beim fertigen Zahnersatz waren in den untersuchten Studien vergleichbar.

KriteriumDigitaler AbdruckKlassischer Abdruck
AblaufScankopf wird über die Zähne geführtLöffel mit Abformmasse bleibt im Mund, bis sie fest ist
Würgereizmeist weniger belastendkann bei empfindlichen Menschen Würgereiz auslösen
KontrolleErgebnis sofort am Bildschirm prüfbar, Lücken können nachgescannt werdenFehler zeigen sich oft erst später, dann ist eine Wiederholung nötig
Weiterverarbeitungdigitale Konstruktion in der Ordination oder Versand der Daten ans LaborGipsmodell im Labor
GrenzenBlut, Speichel und tief unter dem Zahnfleisch liegende Ränder erschweren den Scanbewährtes Verfahren, auch dort, wo der Scanner schwer hinkommt

Wie läuft ein Scan ab?

Die Zähne werden zunächst leicht getrocknet, weil Speichel die Erfassung stört. Dann wird der Scankopf Zahn für Zahn über Ober- und Unterkiefer geführt, zum Schluss wird der Biss in geschlossener Stellung erfasst. Sie können dabei normal durch die Nase atmen und kurze Pausen einlegen. Das entstehende Modell sehen Sie direkt am Bildschirm, was auch das Gespräch über die geplante Behandlung erleichtern kann.

Wofür wird der digitale Abdruck verwendet?

CAD/CAM: Zahnersatz in einer Sitzung

CAD/CAM steht für computergestützte Konstruktion und Fertigung. Aus dem Scan wird die Restauration am Bildschirm konstruiert und anschließend von einer Schleifeinheit aus einem Keramikblock gefertigt. Steht die Schleifeinheit direkt in der Ordination, wie beim CEREC-Verfahren, lassen sich Kronen, Inlays oder Teilkronen häufig in einem einzigen Termin einsetzen, ohne Provisorium und ohne zweiten Termin für das Einsetzen.

Nicht jede Versorgung eignet sich dafür. Größere Brücken, sehr komplexe Behandlungen oder besondere ästhetische Anforderungen werden oft weiterhin gemeinsam mit einem zahntechnischen Labor umgesetzt. Außerdem dauert ein solcher Termin länger als eine gewöhnliche Behandlung, weil Konstruktion und Fertigung währenddessen stattfinden.

Was ist ein 3D-Röntgen (DVT)?

Die digitale Volumentomographie (DVT, international CBCT) ist ein Röntgenverfahren, das bei einem Umlauf um den Kopf eine dreidimensionale Aufnahme eines Kieferbereichs erstellt. Auf einem herkömmlichen Röntgenbild überlagern sich Strukturen. In der DVT lassen sich Knochen, Zahnwurzeln, Nervkanal und Kieferhöhle dagegen in allen Ebenen betrachten.

Wie läuft eine DVT-Aufnahme ab?

Sie stehen oder sitzen im Gerät, der Kopf wird mit einer Stütze ruhig gehalten. Schmuck, Brillen und herausnehmbarer Zahnersatz werden vorher abgelegt, weil sie das Bild stören. Während sich die Röntgenröhre um den Kopf dreht, sollten Sie sich nicht bewegen, damit das Bild scharf wird. Die Aufnahme selbst ist schmerzlos. Danach werden die Schnittbilder am Computer ausgewertet und mit Ihnen besprochen.

Wann ist eine DVT sinnvoll?

Die deutsche S2k-Leitlinie zur DVT von 2022 hält fest, dass die DVT überwiegend dann eingesetzt werden soll, wenn das zweidimensionale Röntgen und die klinische Untersuchung behandlungsrelevante Fragen nicht klären können oder eine Risikosituation vorliegt, die sich in 3D besser beurteilen lässt. Typische Situationen sind:

Nicht vorgesehen ist die DVT laut Leitlinie zum Beispiel für die routinemäßige Parodontitis-Diagnostik oder zur Suche nach Karies.

Wie hoch ist die Strahlendosis einer DVT?

Eine DVT ist mit einer deutlich höheren Dosis verbunden als ein einzelnes Zahnröntgen oder ein Panoramaröntgen. Laut einem Beitrag aus der Röntgenstelle der deutschen Bundeszahnärztekammer liegt die durchschnittliche Dosis häufig beim 20- bis 40-Fachen einer digitalen Panoramaaufnahme. Wie hoch sie im Einzelfall ist, hängt stark vom Gerät und von der Größe des aufgenommenen Bereichs ab. Eine Metaanalyse fand für Erwachsene mittlere effektive Dosen von etwa 84 Mikrosievert (µSv) bei kleinen, 177 µSv bei mittleren und 212 µSv bei großen Aufnahmevolumen, mit großer Bandbreite zwischen den Geräten.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Strahlendosis aus natürlichen Quellen beträgt in Österreich laut Gesundheitsportal rund 2,8 Millisievert, also 2.800 µSv, pro Person und Jahr. Rechnerisch entspricht eine DVT mit kleinem Volumen im Mittel damit etwa eineinhalb Wochen natürlicher Strahlung, eine mit großem Volumen etwa vier Wochen.

Das Risiko durch eine einzelne Aufnahme ist gering, Röntgenstrahlung sollte aber nur eingesetzt werden, wenn sie einen Nutzen bringt. Deshalb gilt: so wenig Strahlung wie möglich, so viel wie nötig. Das bedeutet ein möglichst kleines Volumen und eine Aufnahme nur dann, wenn ihr Ergebnis die Behandlung beeinflusst. Bei Kindern und Jugendlichen ist besondere Zurückhaltung geboten.

Grenzen von DVT und digitalem Abdruck

Wie digitale Planung bei der Entscheidung für einen Zahnersatz hilft, lesen Sie im Vergleich Implantat, Brücke oder Prothese?

Vor einer 3D-Aufnahme: Fragen Sie ruhig nach, welche Frage die Aufnahme klären soll und ob ein zweidimensionales Röntgenbild ausreichen würde. Bringen Sie vorhandene Röntgenbilder aus anderen Ordinationen mit, damit keine Aufnahme unnötig wiederholt wird. Teilen Sie vorab mit, wenn Sie schwanger sind oder sein könnten.

Stand: Oktober 2026 · Dieser Ratgeber ersetzt keine persönliche Untersuchung.

Häufige Fragen

Nein. Der Scankopf wird ohne Druck über die Zähne geführt. Sie müssen den Mund eine Weile geöffnet halten, Abformmasse wird nicht benötigt. Viele Menschen mit starkem Würgereiz empfinden den Scan als deutlich angenehmer.

Nein. Der Scanner arbeitet mit Licht und einer Kamera, nicht mit Röntgenstrahlen. Röntgenaufnahmen werden nur gemacht, wenn sie für Diagnose oder Planung zusätzlich nötig sind.

Nicht zwingend. Ob ein zweidimensionales Röntgenbild ausreicht, hängt von der Situation ab. Bei knappem Knochen, Nähe zu Nerv oder Kieferhöhle oder geplantem Knochenaufbau liefert eine DVT wichtige zusätzliche Informationen. Die Entscheidung wird für jede Patientin und jeden Patienten einzeln getroffen.

Für die Haltbarkeit sind vor allem das Material, der Zustand des Zahns, der Biss und die Pflege entscheidend. Ob eine Versorgung in einer Sitzung oder mit dem zahntechnischen Labor sinnvoller ist, hängt vom Einzelfall ab und sollte vorab besprochen werden.

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